Branchenreport Grosshandel

Effizienz wird zum Erfolgsfaktor – der Schweizer Grosshandel im Wandel zwischen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neuen Marktmodellen.

Grosshandel

Einleitung #

In diesem Branchenreport bieten wir Ihnen eine Übersicht über die aktuelle Entwicklung, Trends und M&A-Aktivitäten in der Branche des Grosshandels. Der Grosshandel spielt in der Schweiz eine bedeutende Rolle in der nationalen Wirtschaft, da er als Vermittler zwischen Herstellern und Einzelhändlern fungiert.

Der Schweizer Grosshandel erzielte 2025 einen geschätzten weltweiten Gesamtumsatz von rund CHF 2'527 Milliarden.1 Der Rohstoffhandel allein generierte 2024 eine Wertschöpfung von CHF 19.2 Milliarden, was 2.3% des Schweizer BIP entspricht.2 Global wird der Grosshandelsmarkt auf rund USD 60 Billionen (2025) geschätzt und soll bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 6.6% auf USD 82.3 Billionen wachsen.3 Dieses Wachstum ist vor allem auf den verstärkten Einsatz von digitalen Handelsplattformen, automatisierten Lagerlösungen und den Fokus auf nachhaltige Lieferketten zurückzuführen.

1. Marktstruktur und wirtschaftliche Bedeutung #

Der Schweizer Grosshandel gliedert sich in zahlreiche Teilsegmente von Rohstoffen und Nahrungsmitteln über Maschinen und Elektronik bis hin zu Baustoffen und Konsumgütern.

Innerhalb des Grosshandels nimmt der Rohstoffhandel eine zentrale Stellung ein: Gemäss der BFS-Ersterhebung erwirtschaften Rohstoffhändler allein rund ein Fünftel der gesamten Wertschöpfung des Grosshandels.4 Die rund 400 im Rohstoffhandel tätigen Unternehmen sind stark räumlich konzentriert: Genf und Zug generieren zusammen über 85% der Wertschöpfung dieses Segments. Die Handelstätigkeit erstreckt sich überwiegend auf feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse (41.5%) sowie Erze und Metalle (33%).

Die zunehmende Digitalisierung hat die Arbeitsweise im Grosshandel nachhaltig verändert. Digitale Plattformen und automatisierte Prozesse ermöglichen eine verbesserte Bestandskontrolle, optimierte Lieferketten und reduzierte Kosten. Dieser Trend sorgt nicht nur für Effizienzsteigerungen, sondern auch für eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und internationaler Ebene.

Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein Schlüsselfaktor für die Zukunft der Branche. Immer mehr Unternehmen setzen auf umweltfreundliche Lieferketten und optimierte Logistik, um den steigenden Anforderungen von Kunden und Regulierungsbehörden gerecht zu werden.

2. Trends und Wachstumsraten #

Digitalisierung und Automatisierung

Die Digitalisierung verändert den Grosshandel grundlegend. Immer mehr Unternehmen setzen auf digitale Lösungen, um ihre Prozesse zu optimieren und die Effizienz zu steigern. Automatisierte Lagerverwaltungen und digitale Bestellplattformen spielen dabei eine zentrale Rolle. Der globale Markt für digitale Transformation wird auf rund USD 1.65 Billionen (2025) geschätzt und soll bis 2030 mit einer Wachstumsrate von rund 22% auf über USD 4.4 Billionen anwachsen.5 Durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Datenanalyse können Unternehmen ihre Lagerbestände effizienter verwalten und Lieferketten optimieren. Im Grosshandel gewinnen insbesondere KI-gestützte Bedarfsprognosen, automatisierte Bestellsysteme und digitale Marktplätze an Bedeutung.

Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Lieferketten

Die Forderung nach nachhaltigen Lieferketten wird im Grosshandel immer lauter. Unternehmen müssen verstärkt auf umweltfreundliche Transport- und Verpackungslösungen setzen, um den Erwartungen der Verbraucher gerecht zu werden und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Dieser Trend wird durch den zunehmenden Druck von Regierungen und internationalen Organisationen verstärkt, die den CO₂-Ausstoss reduzieren wollen, wie etwa die Europäische Union mit ihrem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 und das Pariser Abkommen, das die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C, möglichst auf 1.5°C, begrenzen will.

Der globale Markt für grüne Logistik wurde 2024 auf rund USD 1.2 Billionen geschätzt und soll bis 2030 mit einer jährlichen Rate von 7.4% auf USD 1.9 Billionen wachsen.6 Bis 2026 entwickeln sich zirkuläre Lieferketten, also Lieferketten, in denen Produkte, Verpackungen und Materialien zurückgeführt, wiederverwendet oder recycelt werden, zunehmend von Nachhaltigkeits-Zusatzprojekten zu Kernbestandteilen des Geschäftsmodells. Während 2021 nur 40% der Unternehmen Zirkularität als wichtig erachteten, sind es heute 75%.7

Personalisierte Logistiklösungen

Der Trend zur Personalisierung hat auch den Grosshandel erreicht. Grosshändler bieten zunehmend flexible und auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden abgestimmte Logistiklösungen an. Dies ermöglicht es, effizienter auf Marktveränderungen und spezifische Kundenanforderungen zu reagieren. Mit der zunehmenden Nutzung von Datenanalyse-Werkzeugen können Lager- und Transportprozesse massgeschneidert und optimiert werden. Der globale Markt für Lieferkettenmanagement-Software wächst kräftig und wird bis 2030 auf rund USD 48.6 Milliarden geschätzt, mit einer Wachstumsrate von 11.4%.8

  • Bruttowertschoepfung
  • Umsatz Grosshandel

3. Herausforderungen #

Störungen in den globalen Lieferketten

Die Abhängigkeit des Grosshandels von globalen Lieferketten stellt eine der grössten Herausforderungen dar. Geopolitische Spannungen, pandemiebedingte Engpässe und Rohstoffknappheit haben in den letzten Jahren zu erheblichen Unterbrechungen geführt. Hinzu kommen die Auswirkungen neuer US-Zollpolitiken, die 2025 für zusätzliche Unsicherheit im globalen Handel sorgten. Unternehmen müssen vermehrt in Diversifizierungsmassnahmen und Notfallstrategien investieren, um solche Störungen abzufedern. Viele Grosshändler setzen auf regionale Lieferanten und Nahverlagerungsstrategien, um das Risiko zu minimieren und schneller auf lokale Bedürfnisse reagieren zu können. Dies wird jedoch oft durch höhere Kosten für lokale Produktion und Logistik erschwert.

Steigende Betriebskosten

Der Grosshandel sieht sich weltweit mit steigenden Betriebskosten konfrontiert. Insbesondere die Energiepreise und die Logistikkosten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen, was die Margen der Unternehmen belastet. Unternehmen müssen zunehmend auf Automatisierung und Effizienzsteigerung in ihren Prozessen setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Schweizer Unternehmen reagieren vermehrt mit Preisanpassungen, Kostensenkungen und verstärkten Investitionen in Automatisierung und Technologie.9 Diese Massnahmen erfordern jedoch erhebliche Investitionen, die nicht alle Unternehmen stemmen können, was vor allem kleinere Grosshändler vor Herausforderungen stellt.

Fachkräftemangel in der Logistik

Auch im Grosshandel spitzt sich der Fachkräftemangel zu, insbesondere im Bereich der Logistik. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal für die zunehmend digitalisierten und automatisierten Lager- und Transportsysteme zu finden. Dies erfordert verstärkte Investitionen in die Aus- und Weiterbildung sowie eine stärkere Kooperation mit Bildungseinrichtungen, um die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Unternehmen, die es versäumen, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden, riskieren langfristig, an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

4. Faktoren für Attraktivität & Unternehmensbewertung #

Effiziente Logistik als Schlüssel zum Erfolg

Im Grosshandel ist die Effizienz der Logistik entscheidend für den Unternehmenserfolg. Grosshändler, die in moderne Logistiksysteme und automatisierte Lagerlösungen investieren, sind in der Lage, schneller und kostengünstiger zu liefern. Dies steigert nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern erhöht auch die Attraktivität des Unternehmens für Investoren. Effiziente Logistikprozesse ermöglichen es Grosshändlern, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Digitalisierung als Treiber der Unternehmensbewertung

Die digitale Transformation im Grosshandel bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Abläufe zu optimieren und neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Grosshändler, die auf digitale Bestellplattformen und automatisierte Warenwirtschaftssysteme setzen, können ihre Effizienz steigern und sich im Markt differenzieren. Unternehmen, die frühzeitig in Digitalisierung investieren, erzielen in der Regel höhere Bewertungen, da sie besser auf die sich wandelnden Marktanforderungen reagieren können.

Nachhaltigkeit als Differenzierungsmerkmal

Nachhaltigkeit spielt eine immer grössere Rolle im Grosshandel. Unternehmen, die umweltfreundliche Logistiklösungen und nachhaltige Verpackungskonzepte umsetzen, können sich von der Konkurrenz abheben und langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Investoren legen zunehmend Wert auf Unternehmen, die ökologische Verantwortung übernehmen, was sich positiv auf die Bewertung dieser Unternehmen auswirkt.10 Nachhaltigkeit ist damit nicht nur ein Marketinginstrument, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.

5. M&A-Aktivitäten und Marktkonsolidierung #

Der Schweizer M&A-Markt verzeichnete 2025 ein solides Jahr mit 502 Transaktionen und einem Gesamtvolumen von rund USD 166.8 Milliarden. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2024 (464 Deals, USD 115.1 Milliarden).11 Schweizer Unternehmen traten in 225 Fällen als internationale Käufer auf, was die Bedeutung starker Bilanzen und hoher Liquidität unterstreicht.

Im KMU-Segment wuchs die M&A-Aktivität um 16% im Vergleich zu 2024, wobei rund 28% der Inbound- und Inlandtransaktionen auf den Bereich IT-Dienstleistungen und Software entfielen.12 Im Gesamtmarkt blieb Private Equity gemäss KPMG mit 142 Transaktionen und einem Volumen von USD 46.2 Milliarden ein dominierender Treiber und machte 28% aller Schweizer M&A-Transaktionen aus.

Für 2026 wird ein moderater Anstieg der M&A-Aktivität erwartet.13 KI-Bereitschaft und Cyber-Resilienz werden zunehmend zu entscheidenden Erfolgsfaktoren bei Transaktionen. Im Grosshandel bieten Nachfolgelösungen, Konsolidierungen und technologiegetriebene Übernahmen attraktive Dealmöglichkeiten.

2024
  • Übernahme der Mademoiselle Desserts durch die Emmi
2025
  • Fenaco übernimmt Rolli-Pet Tiernahrung

  • Übernahme von Labor Team durch Galenica

6. Bewertungsmultiplikatoren #

Im Kalenderjahr 2025 lag das durchschnittliche EV/EBITDA-Multiple im Schweizer Grosshandel bei 7.4x. Diese Bewertung spiegelt die Stabilisierung wider, trotz Herausforderungen wie steigenden LSVA-Abgaben (Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, eine Abgabe des Bundes auf Lastwagen über 3.5 Tonnen, deren Tarife per 1. Januar 2025 um 5% an die Teuerung angepasst wurden)14 und anhaltender Volatilität in den Lieferketten. Unternehmen, die auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzen, bleiben jedoch attraktiv für Investoren, da technologische Innovationen und nachhaltige Prozesse die langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken.

7. Fazit #

Der Schweizer Grosshandel bleibt ein zentraler Bestandteil der nationalen Wirtschaft und spielt eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Herstellern und Einzelhändlern. Der Sektor zeichnet sich durch eine hohe internationale Ausrichtung aus, insbesondere im Rohstoffhandel, der einen bedeutenden Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung beiträgt.

Trotz Herausforderungen wie steigenden Betriebskosten, geopolitischen Unsicherheiten und globalen Lieferkettenstörungen bleibt der Sektor ein attraktives Investitionsziel. M&A-Aktivitäten tragen zur Konsolidierung und Weiterentwicklung des Grosshandels bei. Unternehmen, die frühzeitig auf Digitalisierung, nachhaltige Prozesse und KI-gestützte Lösungen setzen, sind gut positioniert, um von langfristigen Trends zu profitieren.

Diese Faktoren stärken nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern sichern auch die Attraktivität des Sektors für Investoren. Nachfolgelösungen und strategische Konsolidierungen bieten weiterhin vielversprechende Perspektiven für Käufer und Verkäufer gleichermassen.

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