Der Weg zur nächsten Generation und Plan B

Nachfolgeregelung ist nicht gleich Nachfolgeregelung. Ob familieninterne Nachfolge oder familienexterne Nachfolge – jede Option hat ihre Vorteile und Herausforderungen. Der Artikel gibt Auskunft darüber, wann der beste Zeitpunkt für den Startschuss ist und was es sonst noch zu beachten gilt.

Nachfolge oder Verkauf – Was sind die Unterschiede?

Es ist zwischen der familieninternen Nachfolgeregelung (z. B. Tochter, Sohn etc.) und der familienexternen Nachfolgeregelung zu unterscheiden. Die familienexterne Nachfolge wird nochmals in Management-Buy-Out (auch MBO genannt: Übernahme durch bisherige Führungskräfte) und den Verkauf an Dritte (auch Management-Buy-In [MBI] oder Verkauf an Konkurrenz / Mitbewerber, Verkauf an Investoren) unterteilt. Während vor 20 Jahren sieben von zehn Firmen familienintern weitergegeben wurden, liegt der Anteil heute nur noch bei 40 Prozent. Die Mehrheit wird demnach familienextern übernommen.

Dauer des Nachfolgeprozesses

Die Wahl der Nachfolge-Variante hat einen grossen Einfluss auf die Dauer des Prozesses. Der Verkauf eines Unternehmens an Dritte ist die schnellste Lösung und dauert gemäss diversen Studien im Schnitt 1.6 Jahre. Die familienexterne Nachfolgeregelung (MBO) dauert mit 3.3 Jahren doppelt so lang, da diverse Stolpersteine (insb. Finanzierung Kaufpreis) zu überwinden sind. Mit 6.5 Jahren dauert die familieninterne Nachfolgeregelung (falls überhaupt eine geeignete Kandidatin vorhanden ist) am längsten, da diverse komplexe Themen gelöst werden müssen (Kaufpreis, Übernahmemodalitäten, Ehe- und Erbrecht, Pflichtteile, Finanzierung, Vorsorge, Geschwister (was ist fair?) etc.

Die Optionen im Detail

Familieninterne Nachfolge

Viele Unternehmer möchten das eigene Traditionsunternehmen gerne in der Familie wissen. Wir möchten Sie vorwarnen: Der Trend geht in eine andere Richtung. Immer mehr Nachwuchs möchte lieber den eigenen Weg einschlagen, als die bestehende Tradition fortzuführen. Falls Sie also eine Kandidatin im Auge haben, so setzen Sie sich mit dieser zusammen und sprechen offen und transparent über Ihre Vorstellungen. Beide sollten ehrlich aussprechen dürfen, wie sie über eine Nachfolge denken. Es nützt letztendlich wenig, wenn Ihr Familienmitglied die Aufgabe aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus übernimmt. Das wird langfristig nicht zum Erfolg führen.

Auch der umgekehrte Fall erfordert Fingerspitzengefühl: Wenn ein Familienmitglied Interesse zeigt, sollten Sie die Chance nicht ohne Weiteres ergreifen, sondern zuerst kritisch hinterfragen, ob die Person als Geschäftsführer – eine Position, die Verantwortungsübernahme und Führungsqualitäten erfordert, – geeignet ist. Am besten prüfen Sie die Motivation und Fähigkeiten des potenziellen Kandidaten, indem dieser im Unternehmen tätig wird, um Abläufe, Prozesse und Aufgabenbereiche kennenzulernen. Hierbei können Sie die Verantwortung nach und nach steigern, sofern Sie mit der gezeigten Leistung zufrieden sind.

Stellen Sie sich bei dieser Form der Nachfolge darauf ein, dass diverse komplexe Themen gelöst werden müssen. Dazu zählen neben dem Kaufpreis auch Ehe- und Erbrechtsfragen, Pflichtteile, Finanzierung, Vorsorge und falls zutreffend auch Anteile von möglichen Geschwistern.

MBO (Management-Buy-Out)

MBO bezeichnet die Übergabe an das bestehende Management-Team und ist mit etwa 20 Prozent die am seltensten angewandte Nachfolgeregelung. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass bestehendes Know-how in der Firma erhalten bleibt. Prozesse und Unternehmenskultur können fortgeführt werden und es erfolgt eine vergleichsweise kurze Einarbeitungszeit – das Tagesgeschäft kann also recht problemlos und ohne Unterbrechung weitergeführt werden.

Ausserdem kann die Verkäuferschaft einschätzen, worauf sie sich einlässt, da sie mit dem Management bereits zusammenarbeitet und in der Regel Vertrauen in dessen Kompetenzen hat. Es handelt sich meist um loyale Mitarbeitende, die das Unternehmen wie ihre eigene Westentasche kennen und an seinem Erfolg interessiert sind. Daher kann ein MBO ein starker Motivationsschub für die beteiligten Führungskräfte sein. Nicht zuletzt gelangen keine sensiblen Firmeninformationen nach aussen oder an Dritte, da alles vollständig unternehmensintern geregelt wird.

Verkäufer sollten sich bewusst sein, dass mit einem MBO selten der höchstmögliche Kaufpreis erzielt wird. Bei dieser Form der Nachfolge liegt der Fokus woanders. Die Finanzierung stellt erfahrungsgemäss eine Herausforderung dar, weil Mitarbeitende selten über das notwendige Eigenkapital verfügen. Hier können zum Beispiel Verkäuferdarlehen zum Einsatz kommen, bedenken Sie aber, wie hoch Ihr Exposure nach der Übergabe bleiben soll und wie lange sie weiterhin involviert bleiben möchten. Der Verkaufsprozess und die Vorbereitungen unterscheiden sich nicht massiv von einem externen Verkauf. Auch in diesem Fall muss ein solider Businessplan erstellt werden, anhand dessen die Standortbestimmung des Unternehmens sowie die geplante Entwicklung deutlich wird.

Verkauf an Dritte

Ein Verkauf ausserhalb von Familie und Management ist erfahrungsgemäss die schnellste und immer häufiger gewählte Lösung. Im Durchschnitt dauert er wie oben erwähnt 1.6 Jahre, wobei wir für viele Inhabende schneller eine Lösung finden.

Der richtige Zeitpunkt und Plan B

Es ist deutlich geworden, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Nachfolge-Optionen gibt. Das impliziert auch, dass es Unterschiede in der Art der Vorbereitung gibt, die zu treffen ist, damit alles nach Plan verlaufen kann.

Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Die bevorzugte Strategie kann scheitern. Deshalb ist es wichtig, in Szenarien zu denken und einen Plan B vorbereitet zu haben. Niemand gibt Ihnen eine Garantie, dass die vorgesehene Kandidatin Ihren Betrieb auch wirklich übernimmt. Seien Sie flexibel; auch was die verschiedenen Nachfolge-Formen angeht. Es muss nicht zwingend eine innerfamiliäre Übergabe stattfinden. Ein Verkauf ans Management oder eine Veräusserung an Dritte ist ebenso eine Option.

Die wenigsten Unternehmer verkaufen ihr gut gehendes Geschäft zu früh. Wir erleben hingegen oft, dass Inhaber zwar schon einige Zeit mit dem Gedanken spielen, den Verkaufsprozess zu starten und trotzdem die Entscheidung hinauszögern, um hoffentlich später einen höheren Preis zu erzielen. Das Einzige, was wir mit Sicherheit über die Zukunft sagen können, ist: Wir kennen Sie nicht. Oder mit den Worten von Mark Twain: «Voraussagen sollte man unbedingt vermeiden – insbesondere solche, die die Zukunft betreffen».

Es geht nicht darum, die Nachfolge zu einem bestimmten Datum abzuschliessen, sondern den Startpunkt zu setzen, um für den richtigen Zeitpunkt bereit zu sein.

Geben Sie sukzessive Verantwortung ab

Für das Gelingen Ihrer Nachfolgeregelung müssen Sie in jedem Fall bereits im Vorfeld Ihres Rücktritts die Weichen richtig stellen. Reduzieren Sie die Abhängigkeit des Unternehmens von Ihrer Person. Sie kennen das Unternehmen wie kein Zweiter, sie können die wichtigsten Mitarbeitenden einschätzen und haben die grössten Kundinnen und die Lieferanten persönlich immer wieder getroffen.

Dieses Wissen müssen Sie teilen. Je grösser Ihr Einfluss in diesen Bereichen ist und je weniger diese Prozesse dokumentiert sind, desto abhängiger ist das Unternehmen von Ihnen. Sorgen Sie für standardisierte Abläufe, dokumentieren Sie Geschäftsprozesse und delegieren Sie Schritt für Schritt mehr Verantwortung.

Steuerliche Aspekte

Denken Sie bei Ihrem Rückzug auch an die Steuern. In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien, Partizipationsscheinen oder Stammanteilen zwar grundsätzlich steuerfrei, wenn diese im Privatvermögen gehalten werden. ABER: Die Ausnahmen werden immer mehr zur Regel. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Steueramt einen Teil des steuerfreien Kapitalgewinns in steuerbares Einkommen umzuqualifizieren versucht besteht. Wir tragen dieser Tendenz Rechnung indem wir die Transaktion richtig strukturieren und rechtzeitig die nötigen Abklärungen treffen.

Beim Verkauf von Personengesellschaften fällt ein steuerbarer Liquidationsgewinn an. Der Inhaber muss Einkommenssteuern und AHV (Alters- und Hinterlassenenvorsorge) zahlen. Aus steuerlicher Sicht ist es daher immer attraktiver, eine Kapitalgesellschaft (Aktiengesellschaft, GmbH) zu verkaufen als eine Personengesellschaft (Einzelfirma, Kollektivgesellschaft). Es gibt jedoch gesetzliche Sperrfristen bei der Umwandlung einer Personengesellschaft. Informieren Sie sich deshalb frühzeitig.

Beachten Sie auch unseren Artikel zu den steuerlichen Aspekten.

Emotional anspruchsvoll

Trotz bester Vorbereitung bleibt die Unternehmensnachfolge für alle Beteiligten emotional anspruchsvoll. Während des Nachfolge- oder Verkaufsprozesses wird es viele Hochs und Tiefs geben. Emotionen können die Verhandlungen erschweren oder sogar zum Scheitern bringen. Eine externe Beratung kann nicht nur durch den gesamten Nachfolgeprozess leiten, sondern auch in Verhandlungen eine Vermittler-Rolle einnehmen und mit einem sachlichen Verhandlungsstil die erfolgreiche Übergabe oft erst möglich machen.

Wenn das Unternehmen übertragen wurde und der Kaufpreis bei Ihnen eingetroffen ist, können Sie sich getrost zurücklehnen. Falls Sie als Verkäufer noch während einer bestimmten Zeit für die Einarbeitung und Übergabe zur Verfügung stehen, ermöglicht dies einen sanften Übergang. Nutzen Sie diese Frist unbedingt auch für sich selbst, um sich optimal auf die Zeit danach vorzubereiten.

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