Der richtige Weg zur nächsten Generation

Beim Thema Nachfolgeregelung wird immer wieder kolportiert, dass den Unternehmern das Loslassen schwer falle. Es lohnt sich, in Szenarien zu denken und eine Plan B zu haben. Was die zeitliche Komponente anbelangt, ist ein Verkauf an Dritte die schnellste Variante.

Loslassen, aber richtig

Es gehört zweifelsfrei zu den schwierigsten Dingen, die ein Unternehmer im Laufe seines beruflichen Lebens tun muss: Seine Nachfolge regeln. Die emotionale Komponente spielt diesbezüglich eine entscheidende Rolle, stellt doch für die meisten Unternehmer ihre Firma das eigentliche Lebenswerk dar. Loslassen ist naturgemäss schwierig – und entsprechend weit verbreitet sind Patrons, denen das nicht optimal gelingt.  

Haben Sie immer einen Plan B

Es kann helfen, wenn Sie in Szenarien denken. Niemand gibt Ihnen eine Garantie, dass Ihr vorgesehener Kandidat (oder die Kandidatin) Ihren Betrieb auch wirklich übernimmt. Seien Sie flexibel, auch, was die verschiedenen Nachfolgeformen angeht. Es muss nicht zwingend eine innerfamiliäre Übergabe stattfinden. Auch ein Verkauf ans Management oder eine Veräusserung an Dritte ist eine Option. Jede dieser Varianten braucht eine unterschiedliche Vorbereitung hinsichtlich Dauer, Beteiligte und Kaufpreis. Wichtig ist, dass Sie das Thema Nachfolge angehen und nicht einfach weiter zuwarten.

Formen der Übergabe

Grundsätzlich unterschiedet man zwischen bei Nachfolgeregelungen zwischen der familieninternen Nachfolge (Family-Buy-out oder kurz FBO), der Übergabe an Mitarbeitende (Management-Buy-out, MBO), der Übergabe an externe Personen (Management-Buy-in, MBI) sowie dem Verkauf an eine andere Firma oder eine Private-Equity-Gesellschaft. Zum Thema Management Buy-out finden Sie weitere Informationen.

Wenn eine Übergabe innerhalb der Familie für Sie in Frage kommt, seien Sie ganz besonders kritisch. Hat Ihr Wunschkandidat tatsächlich das Zeug dazu, ein Unternehmen zu leiten? Das Können und auch das Wollen des Kandidaten oder der Kandidatin muss zwingend überprüft werden. Gerade in einer Familienkonstellation ist das heikel, weil es als Misstrauensvotum verstanden werden kann. Sprechen Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn offen darüber und legen Sie Ihre Beweggründe dar.

Unterschiedliche Dauer der Übergabe

Was die zeitliche Vorbereitung angeht, ist der Verkauf eines Unternehmens an Dritte erfahrungsgemäss die schnellste Lösung. Sie dauert ab dem Zeitpunkt der Vermarktung zwischen 6 und 18 Monaten. Die familienexterne Nachfolgeregelung (MBO) dauert länger, da es verschiedene Stolpersteine zu meistern gibt – etwa die Finanzierung, die oftmals schwierig ist. Am längsten dauert jedoch die familieninterne Nachfolgeregelung, da diverse komplexe Themen gelöst werden müssen (nebst dem Kaufpreis sind das die Übernahmemodalitäten, Ehe- und Erbrecht, Pflichtteile, Finanzierung, Vorsorge, Anteil von möglichen Geschwistern etc.).

Geben Sie sukzessive Verantwortung ab

Damit Ihre Nachfolgeregelung gelingt, müssen Sie in jedem Fall bereits im Vorfeld Ihres Rücktritts die Weichen richtig stellen. Reduzieren Sie die Abhängigkeit des Unternehmens von Ihrer Person. Sie kennen das Unternehmen wie kein zweiter, sie können die wichtigsten Mitarbeiter einschätzen und haben die grössten Kunden und die Lieferanten persönlich immer wieder getroffen. Dieses Wissen müssen Sie teilen. Denn je grösser Ihr Einfluss in diesen Bereichen ist und je weniger diese Prozesse dokumentiert sind, desto abhängiger ist das Unternehmen von Ihren. Sorgen Sie dafür, dass es standardisierte Abläufe gibt, dokumentieren Sie Geschäftsprozesse und delegieren Sie Schritt für Schritt mehr Verantwortung.

Steuerliche Aspekte

Denken Sie bei Ihrem Rückzug auch an die Steuern. In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien, Partizipationsscheinen oder Stammanteilen steuerfrei, wenn diese im Privatvermögen gehalten werden. Beim Verkauf von Personengesellschaften fällt ein steuerbarer Liquidationsgewinn an. Der Inhaber muss Einkommenssteuern und AHV zahlen. Aus steuerlicher Sicht ist es deshalb immer attraktiver, eine Kapitalgesellschaft (Aktiengesellschaft, GmbH) zu verkaufen als eine Personengesellschaft (Einzelfirma, Kollektivgesellschaft). Es gibt jedoch gesetzliche Sperrfristen bei der Umwandlung einer Personengesellschaft. Informieren Sie sich deshalb frühzeitig und holen Sie den Rat eines Experten ein. Beachten Sie auch unsere Publikation zu den steuerlichen Aspekten.

Emotional anspruchsvoll

Trotz bester Vorbereitung bleibt ein Unternehmensverkauf emotional anspruchsvoll – für alle Beteiligten. Während des Verkaufsprozesses wird es viele Hochs und Tiefs geben, und Sie werden zweifeln, ob Sie wirklich das Richtige tun. In einer Untersuchung der Universität St. Gallen zu diesem Thema gibt fast jeder Zehnte an, er sei mit dem Ablauf der Firmenübernahme eher unzufrieden bis ganz unzufrieden gewesen. Geben Sie also nicht gleich auf, sondern trösten Sie sich damit, dass Sie sich in guter Gesellschaft befinden.

Wenn dann das Unternehmen tatsächlich übertragen wurde und das Geld bei Ihnen eingetroffen ist, könnten Sie sich getrost zurücklehnen. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass es für alle Beteiligten eine gute Lösung ist, wenn Sie als Verkäufer noch während einer bestimmten Zeit für die Einarbeitung und Übergabe zur Verfügung stehen. Dies ermöglicht einen sanften Übergang. Nutzen Sie diese Frist unbedingt auch für sich selbst, um sich mental auf die Zeit nach dem Unternehmensverkauf vorzubereiten.

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