So finden Sie das Unternehmen, das zu Ihnen passt

Ein Unternehmenskauf ist ein weitreichender Entscheid, den Sie nicht delegieren können. Nicht die Höhe des Kaufpreises ist entscheidend, sondern die realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Situation. Die Erfahrung zeigt, dass ein Bankkredit oder andere Fremdfinanzierungen nur zustande kommen, wenn die Amortisation innerhalb einer vernünftigen Frist realistisch ist.

Rekordwerte an Firmenverkäufen und Beteiligungen

Von der Höhe der Zahlen könnte einem schwindlig werden: Im letzten Jahr hat Walt Disney für mehr als 85 Milliarden Dollar den Medienkonzern Twenty-First Century Fox übernommen . Im aktuellen Umfeld jagen Firmenkäufe und -verkäufe von einem Rekord zum nächsten.

In der “normalen” Welt der kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) geht es in der Regel um deutlich kleinere Beträge. Wenn Sie also mit dem Gedanken spielen, eine Firma zu erwerben, dann sollten Sie sich von den internationalen Rekordmeldungen nicht abschrecken lassen. Es ist nach wie vor möglich, eine gute Firma zu einem fairen Preis zu kaufen.

Es ist nach wie vor möglich,eine gute Firma zu einem fairen Preis zu kaufen

Eine Firmenübernahme ist eine interessante Alternative zur Gründung eines Unternehmens: Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik beträgt die Überlebensrate nach fünf Jahren bei übernommenen Firmen 95%, bei Neugründungen dagegen nur 50%.

Vielleicht besitzen Sie auch ein Unternehmen und möchten durch einen Zukauf die eigene Marktposition stärken oder die Diversifikation vorantreiben. Nur für ein kleiner Teil der Investoren ist ein Firmenkauf vor allem eine Kapitalanlage. Doch auch dies kann natürlich Sinn machen.

Gründe, die für einen Kauf sprechen

Ziel eines durchschnittlichen Käufers ist es, ein gesundes Unternehmen mit wenigen Risiken zu einem tiefen Preis zu erwerben. Als Käufer zahlen Sie für ein rentables Unternehmen mit vorhandener Infrastruktur und intakten Strukturen. Nur ungern sind Sie bereit, Geld für immaterielle Werte wie Potenzial, Firmenname oder Standort hinzublättern. Zudem möchten Sie als Käufer vom Verkäufer möglichst umfangreiche Gewährsleistungen und Garantien bekommen, um Ihr eigenes Risiko klein zu halten.

Wofür Sie bereit sind zu bezahlen

Als Kaufinteressent sind Sie darauf angewiesen, von Ihrem Gegenüber verlässliche Informationen zu bekommen. Eine transparente Buchhaltung des Kaufobjektes sollte selbstverständlich sein, ebenso wie effektive Management- und Prozessstrukturen. Vor einem Kauf empfiehlt es sich in jedem Fall, eine fundierte Prüfung aller Daten vorzunehmen, also eine so genannte Due Dilligence durchzuführen.

Eine fundierte Prüfung aller Daten vornehmen

Verfügen Sie als Käufer über wenig Erfahrung, kann es sinnvoll sein, sich professionellen Rat einzuholen. Beim Einbezug eines Beraters müssen Sie jedoch wissen, dass Sie dieser natürlich gut beraten möchte – aber auch ein adäquates Honorar erzielen will. Ein Berater verdient möglicherweise an jeder Firma, die Sie prüfen, mit. Das verleitet manchmal dazu, den ganzen Prozess in die Länge zu ziehen. Kommt hinzu: Den Entscheid, eine Firma zu kaufen, können Sie nicht delegieren. Das Unternehmerrisiko bleibt bestehen.

Der Kaufentscheid kann nicht delegiert werden

Womöglich sind Sie nach der Evaluation eines Kaufobjektes in erster Linie an der Höhe des Preises interessiert. Das ist aber nicht immer der richtige Ansatz: Die korrekte Einschätzung der eigenen finanziellen Situation ist viel entscheidender. Kaufinteressenten neigen dazu, den Kapitalbedarf zu unterschätzen. Das muss bei Ihnen nicht der Fall sein. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass ein Bankkredit oder andere Fremdfinanzierungen nur zustande kommen, wenn die Amortisation sowie die Verzinsung aus den Erträgen der Firma innerhalb von maximal fünf Jahren realistisch sind.

Als Faustregel gilt: Man sollte nie eine höhere Bewertung bezahlen als die, zu der man selbst bewertet wird. In Zeiten von tiefen Börsenbewertungen heisst das, dass Akquisitionen zu akzeptablen Preisen eher schwierig sind.

Wichtige Kennzahlen in der Bewertung

Die Bewertung eines Unternehmens ist komplex, es gibt verschiedene Ansätze (siehe Kapitel Unternehmensbewertung). Grundsätzlich wird zwischen dem theoretischen Unternehmenswert und dem realisierbaren Preis unterschieden. Auch der theoretische Unternehmenswert kann wieder mit verschiedenen Methoden errechnet werden, wobei mit jeder Methode unterschiedliche Werte erzielt werden.

Der realisierbare Unternehmenswert entspricht dem Aktienwert des Unternehmens, multipliziert mit der Anzahl Aktien. Er kann bei einem nicht börsenkotierten Unternehmen erst beim Verkauf des Unternehmens festgelegt werden. Es ist klar, dass er eine Momentaufnahme ist und zu diesem Zeitpunkt dem Marktpreis entspricht.

Wert des Unternehmens ermitteln

In der Praxis werden Unternehmenskäufe oft nach einem Zwei-Phasen-Modell gestartet. Formal können Signing & Closing in einem Akt vorgenommen werden, allerdings hat das Geschäft einen unverbindlichen Charakter bis zur Erfüllung der vorher fest gelegten Bedingungen (so genannte Closing Conditions). Um beiden Parteien in dem Zeitfenster zwischen Signing & Closing Rechtssicherheit zu geben, gibt es Absicherungsmechanismen. Mit dem Vollzug wird die Transaktion abgewickelt. Der neue Eigentümer ist in der Verantwortung, die Chancen und Risiken des Unternehmen liegen von nun an bei ihm.

Phasen eines Unternehmenkaufs

Für Sie als Käufer beginnt dann die letzte Stufe der Akquisition: die Integration. Unterschätzen Sie diese keinesfalls. Schauen Sie das Unternehmen noch einmal gründlich an, und stellen Sie mögliche Garantieforderungen beim Verkäufer sicher. Vor allem ist nun aber die Zeit gekommen, um sich (wieder) dem Alltagsgeschäft zu widmen. Denn dieses ist in der hektischen Akquisitionsphase oftmals liegen geblieben.

Share on linkedin
Share on xing
Share on facebook
Share on email