Diese Finanzierungsoptionen haben Sie bei einem Firmenkauf

Die grösste Herausforderung beim Projekt «Firmenkauf» ist in vielen Fällen die Finanzierung. Hier ist weniger die absolute Höhe des Kaufpreises entscheidend, sondern vielmehr die realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Situation.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, hat vor allem 2 Möglichkeiten: Gründen oder Kaufen. Letzteres ist besonders deshalb eine attraktive Option, weil man nicht bei null anfängt – Strukturen und Geschäftsbeziehungen bestehen bereits und Geld fliesst. Doch bevor man sich in den Unternehmenskauf stürzt, ist eine der zentralsten Fragen, die aufkommt, die der Finanzierung. Hier ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Thematik auseinanderzusetzen und alle Optionen zu kalkulieren, um eine individuell passende Finanzierungsstruktur zu finden. Zentral ist hierbei, noch vor der Transaktion eine umfassende und realistische Einschätzung der eigenen aktuellen Finanzsituation vorzunehmen, denn die Erfahrung zeigt, dass diese tendenziell eher über- als unterschätzt wird. Ist ersteres der Fall, wird es schwierig, notwendiges Fremdkapital zu generieren. Und es wäre schliesslich schade, wenn viel Zeit und Nerven in Verkaufsverhandlungen investiert werden, damit es zum Schluss an der Finanzierungsstrategie scheitert. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige Finanzierungsmöglichkeiten vor.

Finanzierung planen

Bevor man als Kaufinteressent in eine Transaktion einsteigt, sollte man sich über die eigenen finanziellen Mittel im Klaren sein. Wie hoch sind meine verfügbaren Eigenmittel und welche weiteren Möglichkeiten im Eigenkapitalbereich gibt es? Stichworte sind «3F», was so viel wie «Family, Friends and Fools» bedeutet. Der Vorbezug von Vorsorge-Geldern ist unter gewissen Bedingungen möglich.

Ist ein Kaufobjekt identifiziert, so geht es darum, sich eine Übersicht über den Finanzierungsbedarf zu verschaffen. Wir empfehlen, einen sorgfältigen und detaillierten Businessplan zu erstellen. Indem Sie auf Grundlage der Firmenkennzahlen und der Bewertung des zu erwerbenden Unternehmens eine Übersicht über die Ertragsplanung sowie zukünftige Investitionen und Betriebsmittel, also dem Kapitalbedarf, erstellen, können Sie genau einschätzen, wie viele finanzielle Mittel Sie beschaffen müssen.  Holen Sie verschiedene Angebote ein, damit die Konditionen von Finanzierungsgebern vergleichbar werden. Es geht bei einem Firmenkauf in der Regel um grosse Beträge – da können schon kleine Differenzen in Zinsen oder anderen Bedingungen einen erheblichen Unterschied machen.

Ihre Optionen im Detail

Haben Sie bis hierhin eine konkrete Vorstellung davon entwickelt, wie viel Kapital Sie beschaffen müssen, können Sie sich die konkreten Optionen genauer ansehen. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Eine weitere, dritte Variante – welche offiziell allerdings zum Fremdkapital gezählt wird – sind die sogenannten mezzaninen Finanzierungsmittel.

1. Eigenkapital

Wenn Sie ein Unternehmen kaufen, müssen Sie in der Regel zumindest einen Teil davon aus eigenen Mitteln finanzieren. Wie viel das ist, variiert je nach Grösse der Transaktion, Finanzierungsinstitut und Branche. Meistens sind es mindestens 25 bis 40 Prozent.

Was zählt als Eigenkapital?

  • Eigene Mittel oder familiäre Mittel
  • Earn-Out, was heisst, der Verkäufer erhält einen Teil des Kaufpreises erfolgsabhängig zu einem späteren Zeitpunkt. Das stellt für den Verkäufer allerdings ein gewisses Risiko dar, welches nicht jeder bereit ist einzugehen.
  • Private Equity, was bedeutet, dass Kapitalbeteiligungsgesellschaften in das Unternehmen investieren und dafür Anteile am Unternehmen erhalten.
  • Venture-Capital, was bedeutet, dass eine Beteiligungsgesellschaft sich an einem eher risikobehafteten (jungen) Unternehmen beteiligt, welches noch keine ausreichende Ertragskraft, hingegen aber grosses Wachstumspotenzial hat.

Ohne Eigenkapital ist ein Kauf unrealistisch.

Exkurs: Private Equity

Was ist Private Equity?

Private Equity ist eine Beteiligung auf Zeit. Wird von Private Equity gesprochen, bedeutet das, dass Beteiligungsgesellschaften in ein Unternehmen investieren. Ihr Ziel ist es, dieses zu vergrössern oder weiterzuentwickeln, damit sich das positiv auf die Ertragsleistung auswirkt. Auf diese Weise profitieren beide Seiten: Die Beteiligungsgesellschaft erhält durch den Zugang zum Wachstumspotenzial mehr Profit bei einem späteren Verkauf der Beteiligungen, dem sogenannten Exit, und das Unternehmen kann sich neu strukturieren und das Kapital effektiv einsetzen. Private Equity ist also eine interessante Alternative zur Aufnahme von Fremdkapital (z.B. in Form von Bankkrediten). Hier wird auch bereits deutlich, dass diese Variante mehr als nur zur Verfügung gestelltes Kapital ist. Oftmals setzten sich die Beteiligungsgesellschaft bereits im Vorfeld der eigentlichen Investition mit dem Management zusammen, um den Businessplan und die Chancen, die sich aus der Investition ergeben, zu besprechen. Gemeinsam werden mögliche Expansionen geplant, Strukturen und Prozesse optimiert und weitere Potenziale identifiziert. Es fliesst also neben dem Geld, Zeit und Know-how der Beteiligungsgesellschaft in das Unternehmen ein. Dabei können auch die umfassenden Netzwerke der Private Equity-Investoren sehr nützlich für das Unternehmen sein. Aufgrund dieser nicht rein finanziellen Förderung wird diese Form des Kapitals oftmals als unternehmerisches oder intelligentes Kapital bezeichnet.

Wer sind die Investierenden?

Die Geldgeber von Private Equity Unternehmen sind in den häufigsten Fällen Banken oder Versicherungen sowie Privatpersonen beziehungsweise Family Offices. Für ihre operativen Tätigkeiten erhalten die Private-Equity-Gesellschaften Gebühren und/oder Gewinnbeteiligungen.

Damit Investoren die Möglichkeit haben, einen Einfluss auf die Führung und Entwicklung des Unternehmens zu nehmen – eines der wesentlichen Ziele, um die Wertmaximierung zu erzielen – fordern sie in der Regel eine Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen. Im Falle einer Unternehmensnachfolge ist es vielfach so, dass der Verkäufer einen kleinen Anteil behält, sodass dieser weiterhin, wenn auch deutlich gemindert, bei Entscheidungen mitwirken kann und vor allem aus Sicht der Investoren, am weiteren Gedeihen des Unternehmens interessiert ist. Die Art und Weise, wie die wirtschaftliche Förderung, das heisst Know-how, eingebracht wird, ist je nach Gesellschaft sehr verschieden. Während einige ein eigenes Management zur Verfügung stellen (Management-Buy-In), konzentrieren sich andere auf die Restrukturierung und wieder andere auf eine beratende Begleitung der Geschäftstätigkeit. Die maximale Laufzeit einer Private-Equity Beteiligung hängt von der Herkunft der Finanzmittel ab. Durchschnittlich kann man von einer Beteiligungszeit von 7 bis 10 Jahren ausgehen.

Formen von Private Equity

Investitionen in Form von Private Equity sind in verschiedenen Stadien eines Unternehmens möglich.

  • Anfangsphase: Eine Finanzierung in der Anfangsphase eines Unternehmens bezeichnet man als Venture Capital. Hierbei spielt grösseres Risiko eine Rolle und ist damit besonders interessant für Start-ups und junge Unternehmen.
  • Spätphase: Ist das Unternehmen bereits etabliert und erwirtschaftet solide Cashflows, erhöht das die Planungssicherheit für die Investoren.
  • Management-Buy-Out (MBO): Hier tritt das existierende Management zusammen mit einem Private-Equity-Investor als Käufer auf.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Private Equity vorrangig zum Ziel hat, den Unternehmenswert zu steigern. Es ist eine Beteiligung auf Zeit. Obwohl diese Form der Investition sehr grosse Chancen für das Unternehmen mit sich bringen kann, ist ihr Ruf in Folge der „Heuschrecken-Debatte“ besonders bei KMU eher negativ konnotiert. Das muss nicht sein. Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung der Transaktion an.

2. Fremdkapital

In der Regel reicht das Eigenkapital nicht aus, um den Kaufpreis zu decken. Deshalb ist es notwendig, zusätzliche Mittel aufzutreiben, um den Kauf erfolgreich tätigen zu können.

Hier kommt Fremdkapital ins Spiel. Letztlich ist dies nichts anderes als durch Dritte für eine festgelegte Laufzeit zur Verfügung gestelltes Kapital, wofür im Gegenzug ein risikoabhängiger Zins gezahlt wird. Die häufigste Form von Fremdkapital ist der Bankkredit. Hier gewährt eine Bank einen Kredit von ungefähr 40 bis 70 Prozent des Kaufpreises gegen (bestimmte) Sicherheiten. Eine Tilgung sollte im Normalfall nach 5 Jahren stattgefunden haben. Bezüglich der Zinsen ist es schwierig, eine allgemeine Richtlinie anzugeben, da diese (ebenso wie die Höhe des Kredits) von diversen Unternehmensaspekten wie der Branche, antizipierten Gewinnen, dem Ausmass der geplanten Investitionen und Käuferaspekten wie Erfahrung, Sicherheiten und Bonität abhängen. Allgemein lässt sich aber festhalten, dass eine Finanzierung über eine Bank grundsätzlich möglich ist, wenn der Free-Cashflow die Verzinsung und Amortisation decken kann. Eine besondere Rolle spielen auch die erwähnten Sicherheiten (z. B. Liegenschaften oder Bürgschaften). Beide Aspekte entscheiden am Ende, wie viel Eigenkapitalanteil von einer Bank gefordert wird – das kann von 25 Prozent aufwärts variieren.

Eine Alternative zum klassischen Kredit ist das sogenannte «Direct Lending» gibt es keine Vermittlungsinstanz, sondern die Vertragsbeziehung entsteht unmittelbar zwischen Kreditgeber (hier Privatpersonen oder Unternehmen) und Kreditnehmer. Das schafft bessere Konditionen für beide Seiten und wird über spezielle Online-Plattformen ermöglicht.

Unabhängig davon, wer der Fremdkapitalgeber ist, bleibt die realistische Einschätzung des Risikos entscheidend. Wichtig ist, das Geschäftsmodell inklusive aller Stärken und Schwächen zu kennen. Auch die Fähigkeiten beziehungsweise Eignung und Erfahrung der Käuferin spielt eine wichtige Rolle, da diese die volle Verantwortung für den Erfolg des Unternehmens übernimmt. Diese Aspekte sollten also transparent anhand von aussagekräftigen Unterlagen kommuniziert werden, sodass der Kapitalgeber genau weiss, auf was er sich gegebenenfalls einlässt.

In der Regel werden unter anderem folgende Dokumente benötigt:

  • Businessplan
  • Jahresrechnungen
  • Finanz-, Liquiditäts- und Investitionsplanung
  • Lebenslauf
  • Kaufvertrag (inkl. Unternehmensbewertung)

3. Mezzanine Kapital

Diese Form des Kapitals ist eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital. Rechtlich betrachtet wird es zum Fremdkapital gezählt, obgleich generell mit einem höheren Risiko belastet als traditionelles Fremdkapital. Die genaue Ausgestaltung der Konditionen erfolgt individuell zwischen den beteiligten Parteien.

Wer bietet Mezzanine Kapital an? Neben der Möglichkeit eines Verkäuferdarlehens, bieten professionelle Anbieter Mezzanine-Kapital als Eigenkapitalersatz an – wobei die entsprechend höheren Zinsen zu berücksichtigen sind.

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